Jan Geselle

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Blog

Der Glaube im Wandel der Zeit 10.07.2019

Über die letzten Jahrhunderte hat sich der Glaube der Menschen stark gewandelt. Religion war immer ein zentraler Bestandteil des menschlichen Lebens. Sie gab Halt, Sinn und Gemeinschaft. In den letzten Jahrzehnten hat das allerdings stark abgenommen. Heute sind viele Menschen auf der Suche, die meisten Wissen noch nicht mal nach was sie eigentlich suchen. Die klassischen Glaubensformen haben sich nicht schnell genug weiterentwickelt und sind aus der Sicht des modernen Menschen jetzt veraltet und wirken zum Teil wie kindliche Fantasien.

Ich wurde ohne Religion erzogen. Auf meinem Weg durch das Leben habe ich die meiste Zeit das Gefühl gehabt, als würde ich nach etwas suchen. Ich habe versucht alles allein zu lösen, allen Problemen zu trotzen und stark zu sein. Mit der Zeit ging es mir dabei immer schlechter. Mein Level an verfügbarer Energie wurde immer niedriger und nach einigen Jahren war das Aufstehen am Morgen schon eine der schwierigeren Aufgaben des Lebens. Die ganze Freude und Leichtigkeit der frühen Kindheit war spurlos verschwunden und ich sah keine Chance, diesen Zustand je wieder zu erreichen. Mein Leben war äußerlich inzwischen wirklich super. Ich hatte erfolgreich ein eigenes Softwareunternehmen aufgebaut, ich hatte einen stabilen Freundeskreis, ich war nie länger als drei Monate single und die Frauen mit denen ich zusammen war sahen alle besser aus als ich das Gefühl hatte es zu verdienen. Aber innerlich ging es immer weiter bergab. Ich sah keinen Sinn mehr darin dieses ganze Spiel immer weiter zu spielen. Für welches Ziel arbeitete ich denn die ganze Zeit? Nachdem diese Spirale immer weiter abwärts ging, kam ich irgendwann an den Punkt an dem ich mir sicher war, dass es nicht mehr weiter geht. Ich hatte mit mir schon eine ganze Weile davor den Pakt geschlossen, dass ich mich niemals umbringen würde. Diesen Pakt wollte ich nicht brechen, aber ich konnte nicht weiter machen. An diesem Punkt starb etwas in mir. Der Teil von mir, der alles unter Kontrolle haben wollte, der immer Angst hatte, dass die ganze Welt zusammenbricht wenn ich sie nicht davon abhalte, dieser Teil hielt die Komplexität und Unberechenbarkeit die mein Leben inzwischen erreicht hatte nicht mehr aus. Es fühlte sich an als würde ich sterben, ein innerer Schmerz der so stark war, dass er jeden Gedanken ertränkte. Ich wehrte mich dagegen, doch immer wenn ich dachte ich schaffe es, wurde der Schmerz um ein Vielfaches stärker. Irgendwann war dann schließlich der Punkt erreicht, an dem ich aufgab. Und überraschenderweise war das nicht das Ende. Der Schmerz war noch da, aber ich hatte die Kontrolle abgegeben. Ich hatte den letzten Ausweg gewählt der noch übrig war. Ich hatte mich der Welt anvertraut. Das Gefühl war überwältigend. Wie von einer liebenden Mutter getröstet zu werden, zu wissen dass am Ende doch alles gut wird, auch wenn man das gerade nicht so sehen kann. Ich war befreit von dem Gefühl, dass ich irgend etwas erreichen muss um mein Dasein zu rechtfertigen.

Ich bin mir sicher, dass dieses Gefühl, diese Erkenntnis der Ursprung aller Religionen ist. Ich glaube wir als Menschheit haben keine andere Wahl als zu lernen das wieder zu vermitteln, falls wir auf diesem Planeten nachhaltig leben wollen. Viele unserer bestehenden Religionen bezeichnen ihren Weg als den wahren und verwenden Bilder und Metaphern die für Menschen auf einer viel niedrigeren Entwicklungsstufe gedacht sind, als die auf der sich die meisten von uns inzwischen befinden. Ich glaube wir müssen den Menschen ein modernes Framework bereitstellen, um sich im unübersichtlichen Gewirr aus Religionen zurecht zu finden. Wir müssen den Leuten beibringen, dass es nicht darum geht den "wahren" Glauben zu finden, sondern den Glauben, der am besten zur eigenen Prägung und aktuellen Entwicklungsstufe passt. Und vor allem bin ich der Meinung, dass die etablierten Religionen ihre Position und Rolle als mögliche Auslegung des Absoluten erkennen und akzeptieren sollten und ihre Inhalte dann so anpassen sollten, dass sie für Menschen auf verschiedenen Entwicklungsstufen zugänglich sind.

So wie ich die Gesellschaft und auch mein eigenes Leben erlebt habe, bin ich inzwischen zu der Ansicht gekommen, dass ein Leben ohne irgendeine Form von Glaube und Religion ein extrem hohes Risiko für psychische Erkrankungen birgt, vor allem dann wenn sich die Lebenssituation unvorhergesehen zum schlechteren verändert. Vor einigen hundert Jahren haben die Menschen hier in Europa mit einfachsten Mitteln riesige Kathedralen errichtet. Heute finden es viele schon fast unzumutbar jeden Morgen aufzustehen und zu arbeiten. Unsere Gesellschaft braucht eine deutliche Kurskorrektur und die kann meiner Meinung nach kaum von oben kommen. Ich denke jeder von uns muss anfangen selbst seinen Teil beizutragen. Dann schaffen wir es vielleicht tatsächlich irgendwann nachhaltig und in Frieden auf diesem wunderschönen Planeten zu leben.

Diener der DNA 03.07.2019

Ich habe mir Gedanken gemacht, wie man die Belehrungen der alten Religionen auf meinen aktuellen Wissensstand übertragen kann. Da jeder Mensch stirbt und alles vergeht, lohnt es sich nicht auf individueller Basis nach etwas zu streben das Bestand hat. Ich habe den Eindruck, als ob die Menschheit die aktuell höchste Stufe der fraktalen Entfaltung von DNA in der Raumzeit darstellt. Wir leben nicht um "selbst" irgendwo anzukommen, sondern um durch den Prozess von Fortpflanzung, Vererbung, Mutation und Evolution Unsterblichkeit zu erreichen. Die Unsterblichkeit kann nie von einem Menschen erreicht werden, aber dadurch dass der gesamte Prozess im stetigen Wandel ist wird die Unsterblichkeit auf dieser Ebene erreicht. Der einzelne Mensch scheint mir immer dann glücklich zu sein, wenn er mit diesem Prinzip im Einklang handelt. Wenn er einen Partner zur Paarung findet, Nachwuchs bekommt, neue Werkzeuge und Techniken zum besseren Überleben entwickelt. Wenn wir es schaffen uns nicht mehr als Fremde in einer feindlichen Welt zu sehen, sondern als untrennbarer Teil der kosmischen Gesamtheit, dann können wir endlich anfangen unser Leben im Einklang mit diesen höchsten Prinzipien der Natur zu leben. Das Leben ist dann endlich kein endloser Kampf mehr, sondern ein perfekter Tanz von unbeschreiblicher Schönheit.

Die göttliche Melodie 05.06.2019

Eben kam mir ein schöner Gedanke. Ich habe schon öfter gedacht, dass sich das ganze Leben verhält wie ein Tanz oder ein Musikstück. Egal auf welcher Mikro- oder Makroebene man es betrachtet, man findet immer wieder den Wechsel von Harmonien und Strukturen, die sich aus dem Chaos erheben und immer weiter auf einander aufbauen. Unsere Spezies ist dabei, immer größere Bereiche des Lebens bewusst zu komponieren und zu choreographieren um erschafft dabei ein immer beeindruckenderes Schauspiel. Auf diese Weise hinterlässt die Menschheit ihren Abdruck in dieser Welt. Wir sind das Instrument, mit dem das Universum seine göttliche Melodie spielt.